Schatztruhe

Gute 24 Stunden

Der Holzstoß

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Kathi spielte an den grossenHolzstößen am Abhang. Es war eine Unternehmung auf eigene Faust, und das Spielam Winterholz gegen den Willen der Eltern. Das Dorf, in dem sie lebte, warabseits der grossen Städte, und die Bewohner pflegten eine eigene Denkweise,die von vielen nicht nachvollzogen werden konnte. Alle im Dorf waren glücklich,und die besten Handwerker und die tüchtigsten Frauen stammten gerade aus diesemDorf.

Kathi turnte auf den Stämmen, unddabei musste sich eine Sperre gelockert haben, und alle Stämme fingen an zurollen. Im letzten Augenblick konnte sie noch zur Seite springen und stand nunda und musste zuschauen, wie der ganze Holzvorrat für den Winter den Hanghinunterpolterte und unten in den reissenden Strom fiel. Ein Stamm nach demanderen. Es wurde ihr sofort klar, dass die kurze Zeit bis zum Winter niereichen würde, um wieder ausreichend Holz für alle zu schlagen. Diesen Wintermüssten sie alle frieren, vielleicht sogar erfrieren.

Kathi lief weg und versteckte sich.Sie wollte nie mehr nach Hause gehen. Ständig machte sie sich die grösstenVorwürfe, dass sie trotz des Verbotes dort spielte. Selbst hätte sie auch sogescheit sein müssen und.....

Es war schon dunkel, als sie sichnun doch entschloss, heimzugehen und alles zu beichten. Als sie sich dem Dorfnäherte, sah sie schon von weitem, dass eine grosse Runde um das Feuer sass undschweigend wartete. Ihr fiel das Herz in die Hosentasche, sie ging aber mutigweiter. Als man sie wahrnahm, erhob sich der Älteste der Runde und ging auf siezu, umarmte sie und hielt sie eine Zeit schweigend fest in seinen Armen.

Dann sprach er: 

„Ich liebe dich, und ich bitte dich,liebe auch du dich selbst.

 Ich verzeihe dir, und ich bitte dich, verzeiheauch du dir selbst.

 Ich segne dich, und ich bitte dich, segne auchdu dich selbst.“

 

Während er diese drei Sätze sagte,schaute er ihr fest in die Augen. Dann liess er sie los und ging zurück zurRunde. Von da kam schon der der Zweitälteste auf sie zu, umarmte sie ebenfallsund sagte:

 

„Ich liebe dich, und ich bitte dich,liebe auch du dich selbst.

Ich verzeihe dir, und ich bittedich, verzeihe auch du dir selbst.

Ich segne dich, und ich bitte dich,segne auch du dich selbst.“

 

So ging es weiter, bis allevierunddreissig Erwachsenen bei ihr waren. Dann wurde sie in die Runde der Erwachsenen gebeten. Es war das erste Mal, dass sie in dieser Runde seindurfte. Sie musste genau erzählen, wie es sich zugetragen hatte. Dann wurdeberaten. Es wurde darüber gesprochen, dass es ein Fehler war, das Holz so dichtam Abhang zu lagern, dass die Zeit bis zum Wintereinbruch viel zu kurz war, umneues Holz zu machen. Dann wurde beschlossen, dass dieses Jahr sich alle aufdas Haupthaus beschränken, worin auch alle schlafen sollten. Die Absicht, fürdie sieben Häuser der sieben Familien alle Holz zu machen, wurde vollkommenaufgegeben. Auch wurde immer wieder nach dem Geschenk gefragt, das wohl indiesem Vorfall versteckt sei, andere sagten, was die gute Seite an diesem Unglückwohl sein möge. Kathi hörte das wohl, konnte aber nichts damit anfangen. Siewar fürs erste froh, dass sie nicht geschimpft wurde. Sie konnte sogar dasVerzeihen der anderen annehmen und glauben, hatte es doch jeder einzelne zu ihrgesagt „Ich verzeihe dir“ und jeder hatte es aus ganz aufrichtigem Herzen zuihr gesagt, aber der zweite Teil „Ich bitte dich, verzeihe auch dir selbst“,das fiel ihr so schwer, sie konnte es nicht, immer wieder machte sie sichVorwürfe.

Es war einige Zeit seit dem Vorfallvergangen, der Winter kam früher als erwartet, und die grossen Schneemassenhatten alles unter sich begraben. Der Holzvorrat war so knapp, dass er nurreichte, wenn ganz sparsam damit umgegangen wurde. Aber dieser Mangel warnirgends zu spüren. Alle lebten im Gemeinschaftshaus, und die Körper der Leuteheizten mit, so dass auch bei kleinem Feuer eine angenehme Temperaturherrschte. So einen schönen, lustigen Winter hatte es noch nie gegeben. Eswurde viel miteinander gesungen, gespielt, Geschichten erzählt und gelacht.Alle waren glücklich und immer wieder konnte man hören: „Gut, dass Kathi dasHolz ins Wasser rollen liess. Immer und immer wieder wurde dieser Umstand ganz besonderserwähnt, und das gab ihr mit der Zeit die Kraft, dass sie ihre Selbstvorwürfeaufgeben konnte. Sie sah und erlebte es, es war der schönste Winter ihresLebens. Wäre das Holz nicht vernichtet worden so hätten sie, wie alle Jahrevorher, getrennt, jede Familie in ihrem eigenen Häuschen eingeschneit dieselange Zeit mit Handarbeiten verbringen müssen. Wie herrlich ist doch eine sogroße Gemeinschaft.

Als sie alle Selbstvorwürfe aufgebenkonnte, fing sie auch an zu begreifen, was mit dem Geschenk in dem Unglücksfallgemeint war. Es war wirklich ein Geschenk; denn die Gemeinschaft hattebeschlossen, dass auch im nächsten Winter wieder alle im Gemeinschaftshausleben sollten, dadurch würden nicht nur die Winter schöner und kurzweiliger,sondern die Zeit konnte auch genutzt werden, um die Kleinen in dieverschiedensten Handwerkstechniken einzuführen. Von den Männern wurde besondersfreudig festgestellt, dass sich die Zeit, um das Winterholz zu schlagen,verkürzt. Statt vier Monate sind es nur noch drei Wochen. Sie sparen sich neunWochen schwerste Waldarbeit – dank Kathi.

Seit dem (Un)Glückstag durfte Kathibei den Beratungen der Erwachsenen teilnehmen. Es gab immer wieder Situationen,in denen in der Gemeinschaft etwas geschah, was auf den ersten Blick furchtbarwar. Die Erfahrung und Denkweise der Gemeinschaft waren es, dass überall einGeschenk enthalten ist. Davon ist nun auch Kathi überzeugt, und es ist ihr zurGewissheit geworden. Meistens waren es junge Mitglieder der Gemeinschaft, denenein Missgeschick widerfuhr. Wenn sie dann an der Reihe war, den Betroffenen zuumarmen, dann konnte sie aus innerster Überzeugung, mit ruhiger, fester Stimmesagen:

„Ich verzeihe dir, und ich bittedich, verzeihe auch du dir selbst.“

Dieser Brauch, den Verursacher vollkommenzu entlasten, wurde auch weiterhin gepflegt. Jeder einzelne Dorfbewohner gehtauch heute noch hin, drückt den anderen und sagt ihm diese drei Sätze:

„Ich liebe dich, und ich bitte dich,liebe auch du dich selbst.

Ich verzeihe dir, und ich bitte dich,verzeihe auch du dir selbst.

Ichsegne dich, und ich bitte dich, segne auch du dich selbst.“ 

 

Lena Lieblich

Die Geschichte vom schmug-gelnden Mullah

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Es war einmal, dass der Mullah einenerfolgreichen Weg fand, seine Lebensgrundlage zu bestreiten: nämlich durchSchmuggel. Jede Woche überschritt er ein Mal die Grenze zwischen Persien undGriechenland mit zwei Eseln, beladen mit jeweils einem grossen Ballen Stroh.Jedes Mal, wenn er die Grenze überschritt, ganz gleich in welcher Richtung,durchsuchten die Zollbeamten ihn und die Last der Esel - fanden jedoch nurStroh. Der Mullah wurde allerdings reicher und reicher, was jeder wusste. UndWoche für Woche versuchten die Zollbeamten verzweifelter etwas zu finden, aberalles war umsonst - sie fanden nichts. 

Viele Jahre danach zog sich derMullah in den Ruhestand nach Ägypten zurück. Ein ehemaliger Zollbeamter besuchteihn dort und stellte die Frage: "Mein lieber Mullah, wir wussten genau,dass du auf deinen Reisen zwischen Persien und Griechenland irgend etwasgeschmuggelt hast während all dieser Jahre. Jetzt, wo du in Sicherheit bist undausserhalb der Gefahrenzone, kannst du mir nicht sagen, was du die ganze Zeitgeschmuggelt hast?"

"Ja, mein Freund", sagteder Mullah, "jetzt, wo du genauso frei bist von deiner Verantwortung wieich, kann ich dir sagen, dass ich Esel geschmuggelt habe!"

 

Zu dieser Geschichte der folgendeKommentar von Neil Douglas-Klotz:

"Bei der Durchsicht von Büchernüber Sufismus (der islamischen Mystik, der inneren spirituellen Erfahrung)suchen die Gelehrten immer nach stichhaltigen, historischen und theologischenGrundthemen und Fakten. Philosophen richten ihr Augenmerk auf überzeugende,metaphysische Grundlagen. Und Wissenschafter suchen Methoden, die immer undunter allen Bedingungen funktionieren.

(So geht die westliche Welt mitihrer Betonung der Verstandeskräfte im Allgemeinen um mit dem Phänomen"Sehnsucht nach Spiritualität". Sie will analysieren, dingfestmachen, Beweise.)

Doch dem Sufi geht es zutiefst umWandlung jeder Person, die zu ihm kommt. Dies bedeutet, die Unterweisung fürdie Seele in diesen Menschen hineinzuschmuggeln, während das Bewusstsein in dieandere Richtung schaut."

In: "Das Bad Herrenalber Modell.", Santiago-Verlag 2007, S. 8/9

Eine höhere Macht, so wie du sie verstehst

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In die Tiefen
der einen grossen See
fliessen die Ströme
von den Bergen ringsumher,
ihre Namen sind
wie ihre Quellen verschieden.

 

Und so neigen sich auch
in einem jeden Lande
die Menschen
vor dem einen großen Gott
sei er auch
unter vielen verschiedenen Namen
bekannt.

 

Indisches Volkslied

 

Vertrauen

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Hoffnung ist die Fähigkeit, dieMusik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwartdanach zu tanzen.

Unbekannter Autor

Wagnis

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Nicht weil die Dinge schwierig sind,wagen wir sie nicht,
sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig.

Seneca