Die Geschichte vom schmug-gelnden Mullah

Es war einmal, dass der Mullah einenerfolgreichen Weg fand, seine Lebensgrundlage zu bestreiten: nämlich durchSchmuggel. Jede Woche überschritt er ein Mal die Grenze zwischen Persien undGriechenland mit zwei Eseln, beladen mit jeweils einem grossen Ballen Stroh.Jedes Mal, wenn er die Grenze überschritt, ganz gleich in welcher Richtung,durchsuchten die Zollbeamten ihn und die Last der Esel - fanden jedoch nurStroh. Der Mullah wurde allerdings reicher und reicher, was jeder wusste. UndWoche für Woche versuchten die Zollbeamten verzweifelter etwas zu finden, aberalles war umsonst - sie fanden nichts. 

Viele Jahre danach zog sich derMullah in den Ruhestand nach Ägypten zurück. Ein ehemaliger Zollbeamter besuchteihn dort und stellte die Frage: "Mein lieber Mullah, wir wussten genau,dass du auf deinen Reisen zwischen Persien und Griechenland irgend etwasgeschmuggelt hast während all dieser Jahre. Jetzt, wo du in Sicherheit bist undausserhalb der Gefahrenzone, kannst du mir nicht sagen, was du die ganze Zeitgeschmuggelt hast?"

"Ja, mein Freund", sagteder Mullah, "jetzt, wo du genauso frei bist von deiner Verantwortung wieich, kann ich dir sagen, dass ich Esel geschmuggelt habe!"

 

Zu dieser Geschichte der folgendeKommentar von Neil Douglas-Klotz:

"Bei der Durchsicht von Büchernüber Sufismus (der islamischen Mystik, der inneren spirituellen Erfahrung)suchen die Gelehrten immer nach stichhaltigen, historischen und theologischenGrundthemen und Fakten. Philosophen richten ihr Augenmerk auf überzeugende,metaphysische Grundlagen. Und Wissenschafter suchen Methoden, die immer undunter allen Bedingungen funktionieren.

(So geht die westliche Welt mitihrer Betonung der Verstandeskräfte im Allgemeinen um mit dem Phänomen"Sehnsucht nach Spiritualität". Sie will analysieren, dingfestmachen, Beweise.)

Doch dem Sufi geht es zutiefst umWandlung jeder Person, die zu ihm kommt. Dies bedeutet, die Unterweisung fürdie Seele in diesen Menschen hineinzuschmuggeln, während das Bewusstsein in dieandere Richtung schaut."

In: "Das Bad Herrenalber Modell.", Santiago-Verlag 2007, S. 8/9

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